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Rottenburg

Foto: RTF.1
Klare Kante gegen rechts: Silbermond bekommt Eugen-Bolz-Preis

Mit Hits wie „Symphonie“, „Das Beste“ oder „Himmel auf“ landeten sie in den Top Ten der deutschen Charts: die Band Silbermond. Doch die vier sind auch wegen ihres Engagements gegen Rechtsextremismus bekannt. So haben sie schon seit vielen Jahren auf Konzerten gegen rechts gespielt und Initiativen wie „Laut gegen Nazis“ unterstützt. Für dieses Engagement erhielten sie am Donnerstag-Abend in Rottenburg den Eugen-Bolz-Preis und stehen damit in einer Reihe mit Charlotte Knobloch, Erwin Teufel und Angela Merkel.

Für die Mitglieder von Silbermond war es das erste Mal nach der Corona-Zwangspause, dass sie wieder live auf einer Bühne standen – und das in der Festhalle in Rottenburg, wo sie zwei ihrer Lieder zum Besten gaben. Stefanie Kloß und Johannes Stolle waren gekommen, um den Preis entgegenzunehmen. Für Silbermond eine große Ehre. „Ich finde es aber viel wichtiger, dass wir alle diesen Preis ansehen und als Band heute entgegennehmen für all die engagierten Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren", sagte Sängerin Stefanie Kloß, „die einfach die Augen offen halten und für ein demokratisches Miteinander sind, und ich glaube, das soll so der wichtigste Spirit an diesem Abend sein."

 

Der Abend begann mit Musik. Natürlich von Silbermond, aber hier interpretiert von der Band des Eugen-Bolz-Gymnasiums Rottenburg. In Rottenburg wurde der Zentrumspolitiker Eugen Bolz geboren. In Weimarer Zeit war er Staatspräsident von Württemberg; später beteiligte er sich am Widerstand gegen die Nazis und wurde dafür 1945 in Plötzensee hingerichtet. „Eugen Bolz ist wirklich jemand, der eben aktiv gegen den Nationalsozialismus gestanden hat, und deswegen ist es auch gut so, dass Rottenburg und seine Bürgerinnen und Bürger und die Spitze der Stadt Rottenburg immer an Eugen Bolz und seine Haltung erinnern", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Martin Rosemann.

Oberbürgermeister Stephan Neher ist zugleich Vorsitzender des Stiftungsrats. Die Stiftung so Neher, wolle mit diesem Preis auch jungen Menschen den Zugang zu Eugen Bolz ermöglichen – als mahnendes Beispiel, sich möglichst frühzeitig für den Erhalt der Demokratie zu engagieren. „Silbermond ist schon seit Beginn ihrer Karriere aktiv, spielt auf Konzerten gegen rechts, positioniert sich klar", sagte Neher, „und ich glaube, das ist keine Selbstverständlichkeit, als Musiker sich so klar zu positionieren, und deswegen haben wir uns dazu entschieden, Silbermond den Preis zu geben."

Für die Landesregierung war Kultusministerin Theresa Schopper gekommen. Sie bezeichnete den Preis nicht nur als starkes Andenken an Eugen Bolz als Person sondern auch an die Haltung und Werte, für die er gestanden habe. „Und Silbermond ist glaube ich auch noch mal anschlussfähig in die junge Generation", sagte Schopper. „Sie sind Vorbilder, sie haben eine Geschichte Ost und West, sie sind Symbol für das, dass man zusammenwachsen muss, für eine demokratische Kultur und dafür, dass sie einfach klare Kante zeigen."

Generalvikar Clemens Stroppel sprach das Grußwort für die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er bezeichnete Silbermond als Influencer für viele junge Menschen, die Orientierung suchen. Er hoffe und werbe dafür, dass Jugendliche erkennen, welcher Wert in Demokratie stecke. „In manchen Aktionen, in manchen Gesprächen ist ja manchmal schon die Frage: Schätzen überhaupt Menschen in unserer Gesellschaft den Wert Demokratie, freie Meinungsäußerung, die Möglichkeit zu demonstrieren, die Möglichkeit nach seiner Fasson selig zu werden, schätzen sie es denn noch?" so Strobl.

Das ist in diesen Zeiten, gerade nach der Bundestagswahl aktueller denn je. Das AfD-Ergebnis der Bundestagswahl in seinem Heimatland Sachsen sei unerträglich, sagte Bandmitglied Johannes Stolle. „Aber es heißt dann einmal mehr, nicht den Kopf in den Sand stecken, weiter miteinander streiten auf Augenhöhe miteinander sprechen und genau die paarunddreißig Prozent der AfD-Wähler davon zu überzeugen, dass Demokratie doch die beste aller Lösungen ist und dass eine reine Protestwahl auch keine Lösung ist, damit wir in der Gesellschaft wirklich vorankommen", sagte Johannes Stolle.

Sich gegen Rechtsextremismus und für Demokratie einsetzen könne jeder, sagte Sängerin Stefanie Kloß. Das fange schon im Alltag, im Kleinen an. „Und wenn du merkst, in der Bahn wird jemand angepöbelt, weil er eine andere Hautfarbe hat; dann ist der Punkt, wo man für die Demokratie kämpfen kann und wo man für die Demokratie da sein kann. Das ist der viel wichtigere Punkt als immer auf der Bühne zu suchen."

Mit Standing Ovations feierte das Publikum in Rottenburg am Ende des Abends die frisch gebackenen Preisträger des Eugen-Bolz-Preises.

(Zuletzt geändert: Freitag, 01.10.21 - 15:53 Uhr   -   1257 mal angesehen)

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