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Ukraine

Foto: Ukrainische Streitkräfte
Ukrainer nehmen kommandierenden General der russischen Westgruppe gefangen

Die ukrainische Armee hat bei ihrem Überraschungsangriff südöstlich von Charkow offenbar den kommandierenden General der Westgruppe der russischen Streitkräfte gefangen genommen. Das geht aus Twitter-Meldungen hervor. Lesen Sie hier, was bisher bekannt ist:

Zunächst waren Blogger und Beobachter davon ausgegangen, dass lediglich ein "lokaler Kommandeur" im Rang eines Bataillonskommandanten gefangen genommen wurde. Nun hat sich offenbar herausgestellt, dass es sich bei dem Kriegsgefangenen um Generalleutnant  Andrei Sychevoi handelt, kommandierender General der russischen Westgruppe. Dabei handele es sich um den ranghöchsten russischen Offizier, der seit dem 2. Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten ist.

Sychevoi hatte sich offenbar zuvor die Uniform eines Leutnants angezogen, um unerkannt zu entkommen.

Bei ihrem Überraschungsangriff im Osten der Ukraine haben die ukrainischen Streitkräfte die russischen Invasoren offenbar vollständig überrumpelt: Binnen ein bis zwei Tagen befreiten die Ukrainer rund 400 - nach jüngsten Angaben sogar 700 -  Quadratkilometer besetztes Gebiet. Ein Video zeigt offenbar fluchtartig verlassene russische Stellungen: Auf einem Herd brodelt noch das Essen. Es liegen volle Magazingürtel herum.

Die Ukraine hatte über Monate hinweg angekündigt, dass im August eine massive Offensive im Süden des Landes zur Befreiung der besetzten Stadt Cherson erfolgen solle. In den Wochen davor zerstörten die Ukrainer mit den von den USA gelieferten HIMARS-Raketenwerfern systematisch und zielgerichtet russische Waffen-, Munitions- und Treibstoffdepots hinter der Front und griffen auch Ziele auf der besetzen Halbinsel Krim an.

Putinrussland beorderte daraufhin in großer Eile massive Truppenverbände und Einsatzreserven in den Süden - und dünnte so offenbar die russischen Truppen an der Ostfront nebst den dort stationierten Einsatzreserven aus. Diese Blöße machten sich die Ukrainer nun offenbar zunutze und stießen zunächst mit einem Panzerkeil, bestehend aus 15 Panzern, bis über 50 Kilometer tief hinter die russischen Linien vor.

Zuvor gab es offenbar auch einen Truppentausch an der ukrainischen Ostfront: Bisher dort eingesetzte ukrainische Truppen wurden durch frische Truppen ersetzt, die offenbar zuvor von NATO-Ländern in Offensiv-Aktionen geschult worden waren.

Hauptstoßrichtung der ukrainischen Offensive ist offenbar Kapiansk, zugleich ein zentraler Eisenbahnknotenpunkt östlich des Durchbruchs: Gelänge dieser in ukrainische Hand, dann wären die bisherigen russischen "Linien der Kommunikation", über die bislang der putinrussisch besetzte Donbas mit Militärmaterial und Nachschub versorgt wird, unterbrochen.

Das "Institute for the Study of War (ISW), welches das Kampfgeschehen aus öffentlich zugänglichen Quellen verfolgt und auswertet, geht davon aus, dass es den ukrainischen Streitkräften innerhalb der nächsten 72 Stunden möglich sein wird, die besetzte Stadt Kupiansk zu erobern. Die russischen "landgestützten Kommunikationslinien" (auf Englisch "GLOC - Groundlines of Communication") mit der putinrussisch besetzten Stadt Izyum würden dem ISW zufolge dadurch stark beeinträchtigt aber nicht vollständig durchtrennt.

Dass ein russischer höchstrangiger General nur wenige Kilometer hinter der Front gefasst werden kann, ist aus folgendem Grund nicht überraschend: Während  beispielsweise NATO-Offiziere und ebenso Offiiziere der an NATO-Standards ausgerichteten ukrainischen Armee einen hohen Entscheidungsspielraum direkt vor Ort an der Front haben, müssen sich rangniedere Offiziere der russischen Armee ihre Entscheidungen von höchster Stelle genehmigen lassen. Um die daraus resultierenden zeitlichen Verzögerungen in der russischen Befehlskette zu vermeiden, befinden sich mittlerweile auch ranghöchste russische Offiziere oft in unmittelbarer Frontnähe.

Aufgrund dieser besonderen russischen Situation gelang des den Ukrainern schon in den vergangenen Monaten, mit speziell darauf angesetzten Spezialeinheiten in Frontnähe eine zweistellige Zahl an hohen und höchsten russischen Offizieren aufzuspüren und zu töten.

Nun geriet mit der Gefangennahme von Generalleutnant Andrei Sychevo der kommandierende General der Westgruppe der russischen Streitkräft - und zugleich ranghöchster Offizier seit dem zweiten Weltkrieg -  in Kriegsgefangenschaft.

 

Erstveröffentlichung: 09.09.2022-08:49 | Jüngste Aktualisierung: 09.09.2022-11:16

(Zuletzt geändert: Samstag, 10.09.22 - 12:44 Uhr   -   12974 mal angesehen)

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