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Nahost-Eskalation

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Welche Folgen der Angriff auf Iran für Welthandel und Ukraine-Krieg hat

Die militärische Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran hat unmittelbare Auswirkungen weit über die Region hinaus. Während in den Golfstaaten Raketenangriffe für Unsicherheit sorgen und Flughäfen stillstehen, rücken zwei Fragen in den Mittelpunkt: Wie stark wird der Welthandel getroffen - und welche Folgen hat der Konflikt für den Krieg in der Ukraine?

Der Konflikt trifft eine Region, die für die globale Wirtschaft von zentraler Bedeutung ist. Die jüngsten Angriffe zeigen, wie verletzlich wichtige Handelsrouten sind – mit potenziell massiven Konsequenzen.

Gefahr für globale Lieferketten und Energiepreise

Konfliktforscher Peter Neumann, Professor am King's College London, warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen. Besonders kritisch ist die Lage rund um die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Energieadern der Welt.

„Die sind sehr groß, kein Zweifel", sagte Neumann dem Sender tagesschau24 mit Blick auf die Risiken für den Welthandel. „Wir haben die Straße von Hormus, durch die 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion fließt."

Ein längerer Konflikt würde nach Einschätzung des Experten unmittelbar die Energiepreise steigen lassen – mit globalen Auswirkungen für Industrie und Verbraucher.

Zugleich geraten weitere Handelsrouten unter Druck. Neumann verweist auf die Gefahr, dass auch der Suezkanal beeinträchtigt werden könnte, etwa durch vom Iran unterstützte Milizen. „Durch diesen Suezkanal geht ein Großteil des Handels oder der Produkte, die aus China nach Europa kommen", erklärte er.

Sollten diese Routen blockiert werden, drohen Lieferengpässe und Produktionsprobleme – insbesondere für exportabhängige Volkswirtschaften wie Deutschland. „Da werden Lieferketten durcheinander gebracht, da wird es Handelsengpässe geben, möglicherweise auch Produktionsengpässe", so Neumann. Die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten sich schnell weltweit bemerkbar machen.

Eskalation trifft auch die Golfstaaten

Die militärische Lage hat bereits konkrete Folgen vor Ort. Nach iranischen Angriffen auf US-Stützpunkte wurden in mehreren Golfstaaten Raketen abgefangen, gleichzeitig kam es zu Einschlägen und Bränden in Städten wie Dubai oder Bahrain. Flughäfen mussten zeitweise schließen, Tausende Reisende sitzen fest.

Besonders brisant: Der Iran drohte, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu blockieren. Erste Reedereien stellten ihre Fahrten durch die Meerenge ein. Da ein erheblicher Teil des globalen Öltransports diese Route nutzt, wächst die Sorge vor massiven Störungen der Energieversorgung.

Ukraine-Krieg: Kurzfristig kaum Auswirkungen

Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine erwartet Neumann zunächst keine unmittelbaren Folgen. Russland werde sich in dem Konflikt zurückhalten. „Kurzfristig glaube ich nicht", sagte er zur Frage nach Auswirkungen auf den Ukraine-Krieg. „Putin ist ein schlechter Verbündeter." Russland habe bereits in früheren Konflikten keine direkte militärische Unterstützung für den Iran geleistet und werde eine Konfrontation mit den USA vermeiden. Allerdings könnte sich die Lage langfristig verändern.

Langfristige Verschiebungen möglich

Ein entscheidender Faktor ist die politische Zukunft des Iran. Sollte es zu einem Machtwechsel kommen, könnte dies die geopolitischen Bündnisse verändern. „Langfristig könnte es durchaus Russland schaden, wenn es tatsächlich zu diesem Regimewechsel oder Führungswechsel kommt", erklärte Neumann.

Der Iran ist bislang ein wichtiger Partner Russlands – unter anderem durch militärische Unterstützung. Sollte diese Zusammenarbeit wegfallen, wäre das für Moskau ein strategischer Verlust.

„Wenn dann möglicherweise Iran aus dieser Allianz [...] mit Russland und China rausbricht, dann wäre das für Putin tatsächlich eine sehr schlechte Nachricht", so Neumann.

Damit könnte sich das Kräfteverhältnis im Ukraine-Krieg mittel- bis langfristig verschieben.

Regimewechsel als Chance für mehr Stabilität?

Neben den Risiken sehen Beobachter auch mögliche Chancen. Der Iran gilt vielen westlichen Staaten als aggressiver Akteur, der durch Unterstützung von Milizen und bewaffneten Gruppen zur Destabilisierung der Region beiträgt.

Ein politischer Wandel in Teheran könnte daher die Sicherheitslage im Nahen Osten verbessern. Sollte eine neue Führung weniger konfrontativ auftreten und die Unterstützung für regionale Stellvertretergruppen reduzieren, wäre eine Entspannung denkbar.

Das würde nicht nur die Konfliktdynamik verändern, sondern auch die Sicherheit von Handelsrouten erhöhen – mit positiven Effekten für die Weltwirtschaft.

(Zuletzt geändert: Sonntag, 01.03.26 - 16:24 Uhr   -   366 mal angesehen)

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