DEUTSCHeins - Das Wichtigste aus Deutschland und der Welt

Das Wichtigste aus Deutschland und der Welt

Kuppel auf dem Reichstag Reichstag in Berlin Bundeskanzleramt in Berlin Schloss Bellevue

Reutlingen

Foto: RTF.1
Ein Gespräch mit Prälat Markus Schoch zum morgigen Reformationstag

Am 31. Oktober 1517, vor mehr als 500 Jahren, soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür einer Kirche in Wittenberg genagelt haben. Dieser Tag, der als Startpunkt der Reformation gilt, wurde in der daraus entsprungenen evangelischen Kirche ein Feiertag. Im Gespräch mit Prälat Markus Schoch haben wir mehr über die Bedeutung dieses Anlasses erfahren.

Die Marienkirche in Reutlingen war nicht immer evangelisch. Katholisch war sie laut Prälat Markus Schoch aber auch nie. Als sie gebaut wurde, Jahrhunderte vor Martin Luther, gab es noch keine Trennung zwischen den Konfessionen. Diese Trennung hatte Luther auch nicht beabsichtigt. Sein Ziel war eine Reformation, eine Veränderung der Kirche. Doch der Konflikt zwischen Reformatoren und Vatikan nahm schnell größere Ausmaße an.

"In Reutlingen hat es natürlich eine besondere Bedeutung, denn Reutlingen war eine der ersten Städte in Deutschland, die die Reformation eingeführt hat", erläutert Prälat Schoch. "Hier in Reutlingen, 1524, mit dem Abendmahl in beiderlei Gestalt. Matthäus Alber hat das hier als Reformator eingeführt."

Matthäus Alber war ein Theologe, der ursprünglich aus Reutlingen stammte. Nach seinem Studium, in dem er Martin Luthers Schriften gelesen hatte, kehrte er nach Hause zurück. Hier begann er in der Marienkirche auf deutsch zu predigen. Bei seinem Abendmahl am 14. August 1524 reichte er den Kelch zum ersten Mal auch an Laien, nicht nur an Kleriker. Nur 20 Bürger trauten sich damals zu trinken, doch dieser Traditionsbruch war nur der erste von vielen.

"Und so ist der Gedanke der Reformation eben hier auch in die freie Reichsstadt nach Reutlingen gekommen", führt Prälat Schoch aus. "Und ist so weit gekommen, dass die Bürger auch sich verpflichtet haben bei dieser Lehre des Evangeliums zu bleiben und Matthäus Alber verteidigt haben, auch als er von Kaiser und von den kirchlichen Obrigkeiten angegriffen wurde."

Auch heute noch wird jedes Jahr am Reformationstag ein Gottesdienst in der Marienkirche abgehalten. Hier wird nicht nur ein besonderer Tag oder eine wichtige Ära gefeiert, sondern auch das Gedankengut, der hinter der Reformation stand. Während Kritik an der damaligen Ablasspolitik den Ball ins Rollen brachte, sahen die Reformatoren in der Kirche an vielen Stellen Änderungsbedarf.

"Das Thema der Reformation ganz allgemein ist ja zu sagen 'Zurück zu den Wurzeln.' Zu dem, was uns bestimmt, zu den Quellen, woraus wir schöpfen", meint Schoch. "Denn es gab in der damaligen Zeit so viele Traditionen, die den Anfang überwuchert haben, dass man das Ursprüngliche kaum noch entdeckt hat. Und so war die Idee der Reformation eben wieder zurückzugehen, zu dem, was die Quellen sind. Was wir in der Bibel finden."

Der Gedanke des Reformationstages ist laut dem Prälat auch heute noch sehr relevant. Eine Lehre der Reformation sei, dass jeder mit seinem Glauben direkt vor Gott stünde. Dass es keine Vermittler bräuchte, die Gottes Willen erklären. Jeder Christ könne mit seinem Glauben selbst direkt zu den Wurzeln zurückkehren.

(Zuletzt geändert: Dienstag, 04.11.25 - 16:00 Uhr   -   4242 mal angesehen)

Nachrichten aus der Region Neckar-Alb

Foto: RTF.1
Sirenen, Handys und Co. schlagen Alarm Pünktlich um 11 Uhr klingelten nicht nur in Reutlingen, sondern bundesweit die Smartphones.
Foto: RTF.1
Weitere Statements zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Mit einem Minus von 19,9 Prozent im Vergleich zur letzten Wahl gilt die CDU als der große Verlierer der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Foto: RTF.1
Historischer Motorsport in schönster Form - Bergpreis Schwäbische Alb lockte zahlreiche Besucher an Wenn rund 140 historische Autos mehrmals am Tag die Neuffener Steige rauf und runter fahren, besetzt mit Promis aus Sport, Politik und Fernsehen - dann kann das nur eins bedeuten: Es ist wieder Bergpreis-Zeit. Rund 20.000 Besucher hatten dem schwäbischen Motorsport-Retro-Event in Erinnerung an die alten Bergrennen der 60er, 70er und 80er Jahre am Wochenende beigewohnt.

Weitere Meldungen